Horumersieler Literaturtage

Im Mai diesen Jahres nahmen Renata Lucic und ich, Anne Krüger, an einem sehr besonderen Literaturfestival teil, den Horumersieler Literaturtagen. Horumersiel liegt an der Nordsee, in Friesland, am Wattenmeer. Ebbe und Flut kommen mir in den Sinn. Krabben, Muscheln, Möwen. Magie. Die Gras knabbernden Deichschafe mit den Plastikohrringen. Unsere freundlichen Gastgeber Michael, Andreas, Erhard. Das Hotel Leuchtfeuer. Das Hotel Mellum. Wieland Rosenboom, der uns durch den Ort führt und Geschichten lebendig werden lässt. Unsere abendliche Runde in dem verrauchten Club beim Hafen.

In manchen Momenten habe ich mich verzaubert gefühlt.

schaafskopf

Vor zwei Jahren waren wir schon einmal eingeladen worden, als Autorinnen in Horumersiel zu lesen und Workshops zu leiten.  Ich erinnere mich präzise an den Tag der Ankunft. Ich hatte die deutsche Nordsee nie zuvor gesehen. Ich stand am Hafen und blickte mit unseren Gastgebern auf die Mondlandschaft, die sich, es war gerade Ebbe, unseren Augen darbot. Ein unvergessliches Bild. Dieses Jahr dann kannte ich Horumersiel schon ein bisschen. Es war anders, aber auch sehr schön. Wir lasen mitten im Ort, dann in einem ehemaligen Stall, wir hielten einen Workshop am Strand ab, wir besuchten neugierig die Lesungen der anderen Autoren, wir kamen ins Gespräch.

korb

Jetzt gibt es ein Video über die Literaturtage von 2013, ich habe es gestern auf Youtube entdeckt. Es ist schön geworden.

muschel

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Die Ostsee / Fischland

Die Ostsee hat viele Gesichter, und ich liebe sie alle, doch am vertrautesten ist mir die Ostsee hier, im Fischland.

fischland

Die vielen früheren Besuche verschwimmen mit den Eindrücken der Gegenwart, die Bilder überlagern sich kunstvoll, wärmen das Herz. Wir sind mit der Familie nach Wustrow gefahren, schon der Klang dieses Ortes rührt etwas in mir an. Wir parken vor dem Deich, laufen die Strandstraße hinunter zum Wasser, vorbei an den Tennisplätzen, die es auch vor dreißig Jahren schon gab, ich entsinne mich genau. Spielen habe ich dort niemanden sehen, weder damals noch heute. Weiter geht es auf den Spuren der Vergangenheit, denn auch das Zeltkino, das wir nun passieren, ist ein alter Bekannter. Einen der Otto-Filme habe ich hier gesehen, und einen japanischen Thriller, in den mein Vater uns versehentlich mitnahm, und bei dem uns beschützend die Augen zugehalten wurden. An den Titel erinnere ich mich noch, er lautete „Die Hundepfeife“. Die Hundepfeife tönt in Frequenzen, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind, wohl aber für Hunde, erklärte uns damals mein Vater.

*

Jetzt stehen wir am Wasser, am Fuß der Seebrücke, die es, als ich ein Kind war, noch nicht gab, oder besser gesagt, nicht mehr, wie man hier nachlesen kann. Es ist Ende Juli, die Sonne knallt, wir wollen ins Wasser. Habt ihr Lust, weiter zu laufen? Nein. Wir bleiben gleich hier, klettern die Treppe von der Seebrücke nach unten, landen im heißen Sand und breiten ein paar Meter weiter unsere bunten Handtücher aus. Der Blick ist vielversprechend. Die Ostsee, und das ist für Wustrower Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit, liegt ruhig und gelassen da. Kaum Wellengang. Die Wassertemperatur beträgt schätzungsweise 17 oder 18 Grad. Fast Zimmertemperatur. Hier bleibt keine Haut trocken. Gebadet haben wir heute schon einmal, im Bodden, nein, das war gestern. Der Bodden ist schön, aber die Ostsee ist anders, natürlich viel größer, wilder, auch wenn sie heute so sanft aussieht, sie ist salziger, auch das.

wustrowwasser

Ist das herrlich! Wir sind verzaubert, stehen schweigend, bis zur Hüfte im Wasser. Die Wellenbrecher (große Steine, die man ins Meer geschüttet hat, um die Küste zu schützen) dürfen heute pausieren. Die Wasseroberfläche gleicht einem Teppich, zerschnitten von den Buhnen. Wir tauchen ein und schwimmen ein paar Züge, die Kinder freuen sich, die Stimmung ist fantastisch. Später gibt es Eis, wir entscheiden uns für ein Eis mit Cashewnüssen, die Kinder wählen alle die gleiche Sorte Fruchteis.

eis

Och, schon vorbei? Da wir eine Verabredung einhalten wollen, geht es nach ein, zwei Stunden zurück. Wir verlassen Wustrow, das Fischland, doch wir werden wiederkehren, ganz sicher, denn, wie es in dem Lied heisst:

Wo de Möwen schriegen, grell in´t Stormgebrus
da is mine Heimat, da bün ick tau Hus.

Auch wenn heute keine Möwen im Sturm herumgeschrien haben, sondern nur glückliche Kinder im Sonnenschein mit Quallen warfen.

Malchower See

Malchower See? Viele kennen ihn gar nicht. Er ist klein, nicht besonders auffällig und versteckt sich hoch im Norden von Berlin. Der Malchower See ist vermutlich ein Geheimtip.

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Wie erreicht man ihn? Ganz einfach, am besten mit der Straßenbahn. Die Endstation der M4 nach Hohenschönhausen/Zingster Straße befindet sich nur wenige Gehminuten vom See. Man muss sich an dem Chinarestaurant Bao-Feng vorbei noch durch ein paar Straßen schlängeln, eventuell mit ein paar Brennnesseln kämpfen, und schon ist man da! Die Mücken übrigens auch. Und manchmal auch die Flugzeuge.

Stört mich das? Kaum.

Der Malchower See ist etwas für Leute, die keine weißen Strände, Eiswagen, oder knackige Rettungsschwimmer zum Baden brauchen, sondern es lieben, auf plattgedrücktem Gras oder nackter Erde mitgberachte Schokodonuts und Bananen zu verzehren. Er ist etwas für Menschen, die es lustig finden, wenn die Schwanenfamilie ihren Nachwuchs an Land geleitet und die erschrockenen Badegäste fauchend und flügelschlagend zu vertreiben sucht. Der Malchower See ist was für Leute, die es nicht schlimm finden, wenn mitten in andächtiger romantischer Abendstimmung plötzlich eine Gruppe lauter junger Männer mit Bierkästen und Grillfleisch auftaucht. Der See ist schließlich für alle da. Und bei näherer Betrachtung sind die Typen eigentlich harmlos. Trotzdem, ein letzter Blick aufs Wasser, und dann ab nach Hause, oder?

malchower

Los? Ja.

Dieses Mal sind wir mit dem Rad gekommen. Wie viele andere hier, wenn sie nicht gerade bei brütender Hitze den nahgelegenen Hohenschönhausener Hochhäusern entschlüpft sind oder eben die Tram genommen haben.

feld

Auf der Rückfahrt entscheiden wir uns für diesen Weg parallel zur Darßer Straße, der Blick über die Felder macht glücklich und scheint so gar nicht berlintypisch zu sein. Dieses Mal halten wir an, um ihn zu genießen.

Das Baden im Malchower See ist übrigens verboten. Nicht etwa wegen Keimen. Nein, sondern „damit die Grün- und Erholungsanlage sowie der Röhrichtgürtel, der seltenen Wasservögeln Nistmöglichkeiten bietet, nicht gefährdet werden“. Gut. Üben wir eben  auf den umliegenden Wiesen das Bumerangwerfen oder bewundern die untergehende Sonne auf dem Feld gleich hinter den Hochspannungsleitungen.

sonnenuntergang

Die Havel am Grunewaldturm

Es ist Sonntag. Und es ist Sommer. Das Thermometer in unserer Küche zeigte am Morgen Temperaturen über zwanzig Grad an. Wir sitzen an der Haltestelle des 218er Busses, der vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) bis zur Pfaueninsel fährt. Pfaueninsel, das klingt magisch. Umso magischer, als ich noch nie dort war und meiner Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Aber zur Pfaueninsel werden wir heute nicht fahren. Wir wollen an die Havel in der Nähe des Grunewaldturmes, wir kennen die Strecke, schon im Winter habe ich mich darauf gefreut, im Sommer erneut hierher zu kommen. In flirrender Hitze warten wir geduldig und verzehren das im ganz nahgelegenen Imbiss gekaufte, mit Tomate und Mozzarella belegte, köstliche Baguette. Wir trinken Apfelsaftschorle dazu. Aus den Augenwinkeln beobachten wir den Doppelstockbus, der bereits vor Minuten eingetroffen ist – der Fahrer durchkämmt in seiner Pause den Bus sorgfältig nach Unrat.

pfaueninsel

Als sich die Bustüren schließlich pünktlich auf die Minute öffnen, bekommen wir keinen der begehrten Plätze in der ersten Reihe im oberen Deck, aber die zweite Reihe tut es dieses Mal auch. Wir fahren vorbei an der ewigen Flamme (Freiheit, Recht, Friede) am Theodor-Heuss-Platz, später geht’s die Heerstraße entlang, irgendwann gelangen wir auf die Havelchaussee. Wie immer stoßen wir manchmal an die Baumkronen. Der Bus ist zum Bersten gefüllt mit Badewilligen und Ausflüglern. Wir beraten leise, wo wir dieses Mal aussteigen werden und entscheiden uns für die Station „Waldhaus“, die nach zwanzigminütiger Fahrt aufblinkt.

Zu Fuß geht es den Abhang herunter, durch den Grunewald, schon sehen wir die Havel in der Sonne aufblitzen, dann liegt sie vor uns, verführerisch lockend. Bereits umlagert von Sonnenanbetern und Wasserfreunden. Hier, bei der Rettungsstelle, ist es oft voll und wir beschließen, uns nach links in Richtung Grunewaldturm zu wenden, um das passende Badeplätzchen zu ergattern. Nach ein paar hundert Metern haben wir es gefunden. Paradiesisch. Hier werden wir unseren Sonntag Nachmittag verbringen, gemeinsam mit, pi mal Daumen, bisher fünfzehn bis zwanzig anderen Badegästen.

Handtücher raus und erstmal in die Badesachen geschlüpft, einen großen Schluck aus der Apfelschorleflasche genommen, die Sonnencreme auf die Haut geschmiert und dann ab – der erste Gang ins Wasser. Ich lasse mir Zeit, teste die Wassertemperatur (angenehm kühl), das Wasser wirkt nicht sehr klar, ein paar Fische huschen vorbei, wie schmutzig es ist, kann ich nur schwer beurteilen – ich fühle mich jedenfalls wohl. Ein Vater spielt mit seinem Sohn Ball, ich bekomme ein paar Spritzer ab. Links neben mir planschen drei nackte junge Männer. Ich stehe ganz still. Nach einigen Minuten des entspannten Wartens tauche ich unter. Die Kunst, im richtigen Augenblick einzutauchen. Diesen Punkt zu spüren, wenn es von ganz allein geht.

havel

Wir gehen jeder drei Mal ins Wasser, dazwischen liegen wir in der Sonne, lesen, essen ein paar Cracker, nehmen immer wieder einen Schluck aus der Apfelschorleflasche. Familien mit ihren Kindern sehen wir, einen Mann mit einem sehr großen Hund, Paddelboote legen am Ufer an, ab und an schwimmt eine Gruppe Enten vorbei. Auf den Beinen krabbeln Ameisen, die anderen Badegäste rücken näher, unsere Badestelle füllt sich.

Kurz nach drei. Wohlig erschöpft und hungrig packen wir zusammen. Das blonde Pärchen fragt, ob wir jetzt gehen. Ja, sagen wir. Sie wünschen sich unseren Platz und bekommen ihn, hier ist es sonniger, erklärt sie, wir nicken und verabschieden uns freundlich. An den Füßen klebt Sand. Wir schlüpfen wieder in die Schuhe, steigen einen Waldweg nach oben, zur Straße, wir wollen noch zum Grunewaldturm, dort gibt es einen Biergarten mit herrlichem Blick auf den ausgebreiteten Fluss und die ihn umgebenden Bäume, man schaut bis rüber, ja, was ist das, Kladow?

Im Biergarten sind die Bänke nur dort besetzt, wo die Sonnenschirme Schatten spenden. Auf der Bühne spielen sie Jazz, ein Schlagzeuger, ein Saxophonist, der Sänger, Bassist, Keyboarder. Wir essen die Riesencurrywurst mit zweimal Pommes. Heimlich wird ein Schluck aus der Apfelschorleflasche genommen – der Verzehr mitgebrachter Speisen und Getränke ist eigentlich verboten. Neben uns sitzt die Frau mit den kurzen blonden Haaren und den Tattoos, die mir ein paar Stunden früher unten an der Havel schon auffiel, sie trägt ein Lonsdale-T-Shirt, ihre Begleiterin eine Brille.

Zurück nach Hause? Ja.

An der Bushaltestelle warten wir lange, aber der Bus kommt nicht. Mehrfach rufen uns Radfahrer zu, der Bus liege ein paar Kilometer von hier, Motorpanne. Wir kommen ins Gespräch mit anderen Wartenden. Ein Mädchen auf einem Fahrrad möchte wissen, wohin der Bus fährt. Charlottenburg, sagen wir, zum ZOB. Oh, meint sie, Neukölln sei dann ganz nah, oder? Nicht so richtig, nein. Sie beschließt, auf den Bus zu warten, wir haben ihr die Mitfahrt bis zur S-Bahn empfohlen, später will sie doch weiterfahren, fragt uns erneut. Schließlich setzt sie sich hin und lehnt das Fahrrad gegen das Haltestellenzeichen. Die Bäume spenden Schatten, aber wir schwitzen.

Ein weiterer Radfahrer erklärt uns, wir sollten lieber laufen, der Bus sei in eine Polizeikontrolle geraten. Kleiner Aufruhr unter den Wartenden. Was tun? Ein Vater mit seiner vielleicht einjährigen Tochter auf dem Arm hebt scherzhaft deren Hand zum Winken. Wir verstecken uns alle, sagt er, und du winkst, vielleicht hält einer an und nimmt uns alle mit.

Der Bus fährt hier nur alle 30 Minuten, es ist ein Abenteuer. Irgendwann kommt ein Bus, wir wissen nicht, welcher, ist es der mit dem Motorschaden oder der, den die Polizei kontrolliert hat? Wir steigen ein, es ist brechend voll. Das Mädchen, das zum Hermannplatz möchte, ist drei Minuten zuvor ungeduldig mit seinem klapprigen Fahrrad aufgebrochen. Sie war, hatte sie uns gesagt, noch nie in Charlottenburg. Aber sie hat ein Navi, wir müssen uns keine Sorgen machen.

Die Ostsee in Warnemünde

Berlin liegt an der Ostsee. Jedenfalls fast. Okay, man muß noch ein paar Stunden mit dem Auto oder der Bahn fahren, aber dann ist man da:

warnemünde

Schönster Strand, nur wenige Minuten vom Bahnhof Warnemünde entfernt! Selbst wenn es dort richtig voll ist, und das kommt bei Sonnenschein häufig vor, findet man bestimmt noch ein Plätzchen, um das mitgebrachte Handtuch zu entrollen.  Die von mir letzte Woche persönlich geprüfte Wasserqualität ergab keine Beanstandungen. Allerdings brauchte ich mehrere Minuten, um vollständig unterzutauchen und ein paar Runden im Baltischen Meer zu drehen, denn die Lufttemperatur betrug nur ca. 18° Celsius und die Ostsee war noch nicht sehr aufgewärmt.

blickleuchtturm

Warnemünde selbst ist auch schön, wenn man dann irgendwann den meereshungrigen Blick vom Wasser abwendet und sich mal umdreht. Teepott (ein aufgrund der Gebäudeform so genanntes Restaurant)  und Leuchtturm, sowie das Hotel Neptun gelten als die Wahrzeichen des Rostocker Stadtteils und faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Besonders das Hotel Neptun übt auf mich einen geheimnisvollen Sog aus. In diesem Hotel sollte ein Roman spielen, denke ich jedesmal, wenn mein Blick auf den riesigen Hotelblock fällt… Wenn einen nach ausgiebigem Nachdenken, Schwimmen oder Flanieren übrigens der Hunger oder Durst piesackt, so kann man sich in Warnemünde diverse Speisen (vom Fischbrötchen, über Mohnkuchen, Rostocker Pils, Cola Light, bis hin zum ausgeklügelten Fischmenü) zum Munde führen, denn zwischen dem Bahnhof Warnemünde und der Ostsee, in die die Warnow mündet, und so dem Stadtteil seinen Namen schenkte, da also, am Alten Strom, dort liegt ein Restaurant, eine Fischbude neben der nächsten:

fischbude

Doch aufgepasst! Die Warnemünder Möwen, deren Füttern auf der Flaniermeile nicht erlaubt ist, sind ziemlich scharf darauf, dir deinen Fisch aus der Semmel zu stibitzen und manche Möwen attackieren sogar die ahnungslosen Esser selbst. Wer also keine Lust hat, sich beim Essen von Möwen beäugen oder beißen zu lassen, der kann sich in eins der unzähligen Restaurants setzen. Mein Tip: Das in der Poststraße 1, etwas abseits vom Trubel gelegene „Min Herzing“, ein Fischladen samt kleinem Restaurant, das unter anderem eine preisgünstige sehr leckere Fischsoljanka führt.

Was wäre noch zu sagen? Vieles. Hafenrundfahrten, Neptunwerft, Warnowwerft, unzählige Touristen, Eis mit Zimtzuckerguß, Ostfriesischer Tee im Kurhaus, Strandbar mit chilliger Musik, Quallen, ein russischer Soldatenchor am Alten Strom, 5-D-Kino, dies alles fällt mir ein zu Warnemünde. So oft bin ich hier gewesen! Und dunkel erinnere ich mich noch an ein Warnemünde, ehe die kleine Prachtmeile am Alten Strom zu dem wurde, was sie jetzt ist. Das ist lange her. Ja, Warnemünde wirkt supertouristisch. Aber ich bin eben auch einer, trotz aller Vertrautheit, ein Tourist unter vielen. Was solls. Von Berlin Gesundbrunnen fährt man circa 3 Stunden mit der Bahn bis Rostock Hauptbahnhof. Dann heißt es umsteigen in die S-Bahn nach Warnemünde. Nach 20 Minuten Fahrt bist du da, und kannst dich ins Getümmel stürzen. Es riecht schon nach Seeluft.

Vor vielleicht zehn Jahren habe ich einmal mit einer Freundin eine Stunde Fußmarsch von Warnemünde entfernt im Schlafsack am Strand übernachtet. Wir saßen am Feuer, tranken Glühwein oder Bier und waren glücklich. Völlig verquollen, nur im Meereswasser gewaschen, spazierten wir am nächsten Tag nach Warnemünde und wurden von einer aggressiven Mädchenbande angepöbelt. Wir mussten in ein Restaurant fliehen. Jedesmal, wenn ich jetzt in Warnemünde bin, frage ich mich, welches Restaurant uns damals Schutz bot. Ich weiß es nicht mehr. Aber diese Nacht am Strand… die Weite des Himmels, der Geruch des Feuers, das Geräusch der Wellen … ich werde sie nie vergessen.

Am Weißen See

Der Weiße See im Norden Berlins ist in diesen Tagen umlagert von erhitzten Menschen und Hunden. In Weißensee gibt es viele Hunde und auch sie baden gern. Das Wasser des Weißen Sees scheint in Ordnung zu sein, denn als ich mich neulich hinabgebeugt habe, noch an Land, nur um mal zu schauen, da konnte ich mit Leichtigkeit bis auf den Grund blicken. Ob hier sogar Seepferdchen leben? Wikipedia behauptet über den Weißen See: „Obwohl sein Wasser bei Qualitätsprüfungen der vergangenen Jahre nicht besonders gut bewertet wurde, kann die Freibadeanstalt bedenkenlos weiter betrieben werden.Die gibt es nämlich, diese Anstalt, und ich liebe sie! Dort ist selbst im Winter manchmal geöffnet (was für Eisbader!), und man kann sich dann einen Kaffee kaufen oder Schmalzstullen verzehren.

freibad

Es gibt noch eine weitere mir wichtige „Institution“ am Weißen See, abgesehen vom Freibad, und zwar das „Milchhäuschen“ genau gegenüber. Dort ist es manchmal so voll, dass es nicht immer freie Plätze auf der Terasse oder drinnen gibt. Aber einmal hatte ich Glück und auch gerade Lust, dort was zu trinken. Ich erinnere mich allerdings nicht mehr, was ich  getrunken habe. Die Damen am Nachbartisch, das weiß ich noch, taten sich an Berliner Weiße gütlich, mit Schuß. Dieses Jahr war ich noch nicht im Weißen See baden, auch letztes Jahr nicht. Aber als ich damals in den Norden Berlins ziehen wollte, und der Mietvertrag endlich unterschrieben war, gings erstmal zum Weißen See und rein. Es war Sommer, und es war wunderschön.