Die Ostsee / Fischland

Die Ostsee hat viele Gesichter, und ich liebe sie alle, doch am vertrautesten ist mir die Ostsee hier, im Fischland.

fischland

Die vielen früheren Besuche verschwimmen mit den Eindrücken der Gegenwart, die Bilder überlagern sich kunstvoll, wärmen das Herz. Wir sind mit der Familie nach Wustrow gefahren, schon der Klang dieses Ortes rührt etwas in mir an. Wir parken vor dem Deich, laufen die Strandstraße hinunter zum Wasser, vorbei an den Tennisplätzen, die es auch vor dreißig Jahren schon gab, ich entsinne mich genau. Spielen habe ich dort niemanden sehen, weder damals noch heute. Weiter geht es auf den Spuren der Vergangenheit, denn auch das Zeltkino, das wir nun passieren, ist ein alter Bekannter. Einen der Otto-Filme habe ich hier gesehen, und einen japanischen Thriller, in den mein Vater uns versehentlich mitnahm, und bei dem uns beschützend die Augen zugehalten wurden. An den Titel erinnere ich mich noch, er lautete „Die Hundepfeife“. Die Hundepfeife tönt in Frequenzen, die für das menschliche Ohr nicht hörbar sind, wohl aber für Hunde, erklärte uns damals mein Vater.

*

Jetzt stehen wir am Wasser, am Fuß der Seebrücke, die es, als ich ein Kind war, noch nicht gab, oder besser gesagt, nicht mehr, wie man hier nachlesen kann. Es ist Ende Juli, die Sonne knallt, wir wollen ins Wasser. Habt ihr Lust, weiter zu laufen? Nein. Wir bleiben gleich hier, klettern die Treppe von der Seebrücke nach unten, landen im heißen Sand und breiten ein paar Meter weiter unsere bunten Handtücher aus. Der Blick ist vielversprechend. Die Ostsee, und das ist für Wustrower Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit, liegt ruhig und gelassen da. Kaum Wellengang. Die Wassertemperatur beträgt schätzungsweise 17 oder 18 Grad. Fast Zimmertemperatur. Hier bleibt keine Haut trocken. Gebadet haben wir heute schon einmal, im Bodden, nein, das war gestern. Der Bodden ist schön, aber die Ostsee ist anders, natürlich viel größer, wilder, auch wenn sie heute so sanft aussieht, sie ist salziger, auch das.

wustrowwasser

Ist das herrlich! Wir sind verzaubert, stehen schweigend, bis zur Hüfte im Wasser. Die Wellenbrecher (große Steine, die man ins Meer geschüttet hat, um die Küste zu schützen) dürfen heute pausieren. Die Wasseroberfläche gleicht einem Teppich, zerschnitten von den Buhnen. Wir tauchen ein und schwimmen ein paar Züge, die Kinder freuen sich, die Stimmung ist fantastisch. Später gibt es Eis, wir entscheiden uns für ein Eis mit Cashewnüssen, die Kinder wählen alle die gleiche Sorte Fruchteis.

eis

Och, schon vorbei? Da wir eine Verabredung einhalten wollen, geht es nach ein, zwei Stunden zurück. Wir verlassen Wustrow, das Fischland, doch wir werden wiederkehren, ganz sicher, denn, wie es in dem Lied heisst:

Wo de Möwen schriegen, grell in´t Stormgebrus
da is mine Heimat, da bün ick tau Hus.

Auch wenn heute keine Möwen im Sturm herumgeschrien haben, sondern nur glückliche Kinder im Sonnenschein mit Quallen warfen.

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