Fremde in einer der Welten

Drei Tage schon bin ich im wahrsten Sinne des Wortes eine Ausländerin und kann kaum genug davon bekommen. Witzig, dass ich laut Papier gerade zu keinem Land der Erde gehöre, gewissermaßen Außer-Irdisch bin. Zum ersten Mal im Leben habe ich keine Nationalität, ein Umstand, für den ich zunächst dachte, er würde mich unsicher machen. Doch da habe ich mich ordentlich getäuscht. Erst seit ich keinen gültigen Pass hab, scheine ich mich an mein Inneres anpassen zu können.

Erst gehörte ich 18 Jahre lang einer Nation, die sich dann aus dem Staub gemacht hat bzw. in meinem Fall in zwei Nationen gespalten hat. Dann hatte ich 18 Jahre lang zwei Nationalitäten und durfte getrost einer Art nationalen Persönlichkeitsspaltung frönen. Nun bin ich in die Spalte „zwischen den Ländern“ ausgerutscht. Da muss ich verharren, bis man mich mit einem deutschen Seil rauszieht und mich wieder fest und sicher ans staatliche Gesamtpacket bindet.

Schon ein halbes Leben, finde ich den Umstand, eine Nationalität besitzen zu müssen, so verlogen uns maskenhaft, dass es kein Wunder ist, dass ich von allen Sprachen am liebsten Japanisch spreche, in dem ich wahlweise zwischen ein paar Worten für „ich“ switchen kann. Watashi, Atashi, Watakushi, Atai, Uchi … Letzeres bedeutet auch „Innen“ oder „Zuhaus“ – so will ich das haben. Ich will im Innen zu Haus sein und dafür brauche ich kein „nationales Prädikat“. Trotzdem werde ich bald wieder eine Nationalität annehmen. Nur so kann ich wieder reisen. Absurd aber wahr: um sich frei bewegen zu dürfen, darf man in dieser Welt nicht zu frei sein. Klar, braucht man, um loszugehen, erst einmal das Bewusstsein von diesem roten Punkt, der einem sagt „you are here“, aber muss denn dieser Punkt unbedingt fest angepinnt sein?! Sollte es in Zeiten von GPS etc. nicht langsam auch sich verwandelnde Pässe und Nationalitäten geben, damit wir entweder alle In- oder Ausländer sind.

Ich groke es nicht, was ernsthaft dagegen spricht.

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu „Fremde in einer der Welten

  1. liebe motzenseequalle,
    dieses thema der nationalität scheint mir ein schier unerschöpfliches zu sein. auch ich finde es wichtig, in sich selbst beheimatet zu sein.
    dennoch ist man eben in einem bestimmten land geboren und in einer bestimmten kultur aufgewachsen.
    das zusammenleben muss meines erachtens nach auch geregelt werden, regierungen müssen gebildet werden, sozialpolitik gemacht, gesetze erlassen usw.
    ein idealer staat, dessen regeln nicht das innen seiner bewohner zu sehr maaßregelt.
    lass uns doch bei einem bosnischen kaffee oder einem deutschen bier oder einem japanischen tee mal darüber ausführlich plauschen.
    dein weissenseepferdchen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s