Vom Mettigel zur Beinlaus

Andere Länder, andere Sitten.

In Island gilt weniger der von Motzenseequalle kürzlich erwähnte Mettigel, denn vielmehr die Beinlaus als knackige Delikatesse.

Siehe folgendes Beweisfoto aus einem dortigen Supermarkt:

beinlaus

Ob es an solch einheimischen „Köstlichkeiten“ liegt, dass die deutschen Reisenden vorher beim Essen an Bord allzu tüchtig zulangen?

reisende

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Eisland I

mein herz ist ein flickenteppich

notdürftig genähte vergangenheit puckert

rastlos vor sich hin

ein isländischer hund schmiegt sich an meine

hand wie ein bruder

neben der fischfabrik führt ein pfad

hoch zum berg auf dem ein

deutscher künstler betoniglus baute

als ich zurückkehre zum fjord

ist der hund nicht mehr zu sehen

die speicherkarte in der digitalkamera

weiß auch nicht, wie er heißt.

hund

iglus

Papierdeutsche

Seit nun mehr als einer Woche bin ich Papierdeutsche und kriege Geschenke wie etwa das Kochbuch „Deutsche Küche“ oder Kaminers „Liebesgrüße aus Deutschland“. Außerdem die Drohung eines Freundes, zur nächsten Party bringt er mir einen Mettigel mit. Ich lasse mir erklären, um was für eine Tiersorte es sich hierbei handelt – eine tote – und bin erfrischend angeekelt. Das ist gut. Dieses Land birgt noch viele Überraschungen für mich. Ob Ekel oder Freude oder mal das eine mal das andere, ist zweitrangig. Hauptsache echte Gefühle. Und echtes Nörgeln! Ich übe: Mettigel,iigelit!

Fremde in einer der Welten

Drei Tage schon bin ich im wahrsten Sinne des Wortes eine Ausländerin und kann kaum genug davon bekommen. Witzig, dass ich laut Papier gerade zu keinem Land der Erde gehöre, gewissermaßen Außer-Irdisch bin. Zum ersten Mal im Leben habe ich keine Nationalität, ein Umstand, für den ich zunächst dachte, er würde mich unsicher machen. Doch da habe ich mich ordentlich getäuscht. Erst seit ich keinen gültigen Pass hab, scheine ich mich an mein Inneres anpassen zu können.

Erst gehörte ich 18 Jahre lang einer Nation, die sich dann aus dem Staub gemacht hat bzw. in meinem Fall in zwei Nationen gespalten hat. Dann hatte ich 18 Jahre lang zwei Nationalitäten und durfte getrost einer Art nationalen Persönlichkeitsspaltung frönen. Nun bin ich in die Spalte „zwischen den Ländern“ ausgerutscht. Da muss ich verharren, bis man mich mit einem deutschen Seil rauszieht und mich wieder fest und sicher ans staatliche Gesamtpacket bindet.

Schon ein halbes Leben, finde ich den Umstand, eine Nationalität besitzen zu müssen, so verlogen uns maskenhaft, dass es kein Wunder ist, dass ich von allen Sprachen am liebsten Japanisch spreche, in dem ich wahlweise zwischen ein paar Worten für „ich“ switchen kann. Watashi, Atashi, Watakushi, Atai, Uchi … Letzeres bedeutet auch „Innen“ oder „Zuhaus“ – so will ich das haben. Ich will im Innen zu Haus sein und dafür brauche ich kein „nationales Prädikat“. Trotzdem werde ich bald wieder eine Nationalität annehmen. Nur so kann ich wieder reisen. Absurd aber wahr: um sich frei bewegen zu dürfen, darf man in dieser Welt nicht zu frei sein. Klar, braucht man, um loszugehen, erst einmal das Bewusstsein von diesem roten Punkt, der einem sagt „you are here“, aber muss denn dieser Punkt unbedingt fest angepinnt sein?! Sollte es in Zeiten von GPS etc. nicht langsam auch sich verwandelnde Pässe und Nationalitäten geben, damit wir entweder alle In- oder Ausländer sind.

Ich groke es nicht, was ernsthaft dagegen spricht.